Was sind Ultras? Was Normalos?

Es ist schwierig das Verhältniss zwischen den Durchschnitts-Fan und einem Ultra zu beschreiben, da der Normalo die Ultras immer noch ansieht als käme der vom Mars und weder das Gespräch sucht, noch sonst ihn irgendwie versucht zu verstehen. Trotzdem möchten wir probieren eben erwähntes Verhältniss zu schildern und Verständniss zu schaffen:

Die meisten Normalos in den Stadien haben immer noch arge Bedenken gegen diese spezielle Gruppe unter den Fans. Das sind Typen, denen das Drumherum wichtiger ist als der Fussball. Das sind welche, die wegen der Randale und nicht wegen des Sports ins Stadion kommen. Den Ultras liegt eine erfolgreiche Choreo mehr am Herzen als ein Erfolg des Teams. So meinen sie.

Was sind Normalos?

Es ist DER typische Fan der denken: Wenn der Ball rein und die Choreo danebengeht, gehe ich zufrieden nach Hause. Auch sie freuen sich über Choreos, sie gehören ins Stadion, sie machen Stimmung und Atmosphäre; sie sind ihnen nur nicht so wichtig wie das Spiel selbst. Sie sind strikte Gegner dritter Halbzeiten und bei schwachem Spiel auf dem Rasen hilft ihnen auch die schönste Aufführung auf der Tribüne nicht. Stinkbomben, die das gesamte Stadion in dichten Rauch hüllen und einem Giftgasangriff ähneln, lassen sie nicht in Jubelstürme sondern in Raucherhusten ausbrechen.

Einen klassischen Fall von Doppelmoral stellen die Bengalos dar. Jeder liebt sie wegen ihrer tollen Wirkung, sie sind aber wegen der damit verbundenen Gefahr verboten. Trotzdem werden stimmungsvolle Bilder mit Leuchtfeuern immer wieder kommerziell verwertet. Vereine bedrucken Fanartikel damit, das Fernsehen liebt solche Effekte wegen der Stimmung.

Doch auch trotz all der oben erwähnten Unterschiede sind Ultras und Normalos oft der selben Ansicht: In ein Stadion gehören Gesänge und Sprechchöre und nicht Stimmungsmusik aus der Konserve. Diese Gesänge sollen witzig und originell sein und nicht beliebig auswechselbar. In einem Stadion sollte es nach Männerschweiss, Bier & Bratwurst riechen und nicht nach Chanel No 57, Champagner und Austern. Im Stadion sollte Fußball gespielt und keine Events aufgeführt werden. Um den Erhalt des Fußballs in seiner ursprünglichen Form kämpfen die Ultras. Sie versuchen, ihn aus den Klauen der allgegenwärtigen Kommerzialisierung zu winden.

Und was sind eigentlich Ultras?

Es sind die verrückten Fans, diejenigen, welche sich in ihrem Fansein nicht darauf beschränken lassen wollen, nach einem Tor 'artig' im Takte der fast schon standardmässig abgespielten Tralala Musik zu applaudieren und zu jubeln und nach dem Spiel das Stadion mit der Gewissheit zu verlassen entweder ein gutes oder ein schlechtes Spiel gesehen zu haben. Nein, die Ultra Bewegung zelebriert ihren Support vor, während und nach dem Spiel. Im Vordergrund steht hierbei die gnadenlose Unterstützung des Teams, welche nicht zwangsläufig ergebnis- und erfolgsorientiert ist. Selbst die Ligazugehörigkeit ist in der Ultra Bewegung sekundär.

Und was tun sie?

Obwohl man den Begriff 'Ultra' vielerorts vor allem mit Rauch, Bengalos und Nebel assoziiert und ihn mit jeder mögliche Art von Choreografien, sei es mit Papptafeln, Folien, Farbbändern, Kassenrollen, ect in Verbindung bringt, sind selbst die allerorts als ''normal' betrachteten Fahnen und Transparente in den Stadien dieser Welt letztendlich ein Ergebnis der Ultra Bewegung. Für Ultras scheint es ein Ziel zu sein einem Fussballspiel ein einzigartiges Flair zu verleihen, für welches sie neben den bereits erwähnten Hilfsmitteln vor allem auch auf akustischen Support in Form von (mal mehr, mal weniger) kreativen Dauergesängen setzen.

Und weiter?

Über Schall und Rauch hinaus hat die Ultra Bewegung in den letzten Jahren jedoch noch eine weitere Maxime in ihren Grundgedanken implementiert - den Widerstand und den Kampf gegen die Kommerzialisierung des Fussballs! Als gutes Beispiel sei hier die Ausschlachtung von Merchandise Artikeln mit unsinnigen und künstlich geschaffenen Maskottchen genannt, die im Grunde in keinerlei Bezug zum Verein und der Fankultur des Vereins stehen.Die Ultras sind eine der wenigen aktiven Fangruppen, sie wirken dem Trend des konsumierenden (sesselpupsenden und auf Signal höflich klatschenden) Zuschauers entgegen. Sie kämpfen um den Erhalt einer Fankultur, die durch Stimmungsmusik, Sitzplätze, VIP-Logen, Cheerleader, Fernsehinszenierungen und Maskottchen im Disney-Stil zersetzt werden soll (und wird!). Sie kämpfen gegen eine Gleichschaltung der Stadien .. äh .. Arenen im Mallorca-Stil. Selbst in der Fremde ist alles wie zuhause: BILD-Zeitung, deutsches Fernsehen, deutsches Bier .. äh .. Schampus usw. Ein fremdes Stadion unterscheidet sich nur durch die Farbe der Sesselpolsterung vom eigenen. Die Krönung ist das zukünftige Münchner Stadion, das wahlweise über rote oder blaue Lampen verfügt, je nachdem, ob die Bayern oder die Löwen Heimrecht haben. Selbst Schalke-Fans, die nicht zu den oberen 10.000 gehören, lieben die Videowürfel, Schalensitze .. ihrer neuen Supersporthalle und blicken geringschätzig auf die Stehplatztribünen an der Alten Försterei herab.

Die Superkommerzialisierer sollten bedenken, dass der Fussball wegen seiner Wurzeln, nicht wegen irgendwelcher Plastikmaskottchen, so gross geworden ist. Wenn sie diese Wurzeln (ursprüngliche Fankultur ..) kaputtmachen, wird der Ast, auf dem sie derzeit gut gepolstert sitzen, austrocknen und abbrechen. Um die Pflege und den Erhalt dieser Wurzeln bemühen sich die Ultras in besonderem Masse.

Text von: http://mitglied.lycos.de/rc98grossbasel/fragen.htm